„Pulse of Europe“ zu Gast bei der SPD Klein-Winternheim

Zum ersten Mal hatte eine Partei den Initiator des Mainzer „Pulse of Europe“, Josef Baumann, zu einem Gespräch eingeladen. Somit war der SPD Ortsverein Klein-Winternheimer mit der Veranstaltung „Was tun – für Europa?“ am 27. Juni in der Region in der Vorreiter-Rolle – und heraus kam bei diesem ersten Dialog ein intensiver Gedankenaustausch.

Der pensionierte Pädagoge aus Mainz-Drais berichtete, dass er selbst noch das Europa der Schlagbäume erlebt habe und als junger Mann in manchen Nachbarländern als Deutscher nicht so gern gesehen war, die Jungen jedoch würden es nach über 70 Jahren Frieden in Europa gar nicht anders kennen und einfach so hinnehmen. „Die Idee von Europa dümpelte so vor sich hin und dann kam in den letzten Jahren ein schleichender Nationalismus hinzu, in vielen Nachbarländern, und mehr und mehr auch bei uns.“ Baumann sah Europa auf einmal in Gefahr. Als sich dann vor einigen Monaten in vielen Städten die Bewegung „Pulse of Europe“ bildete, wollte auch er sich engagieren, wurde nach Kontakten zur Wiesbadener Gruppe aktiv, meldete die erste Kundgebung in Mainz an und war vom Erfolg überwältigt: 800 Teilnehmer kamen, viele junge Menschen darunter, so wie auch unter den Mitstreitern, die er vor allem unter Studenten schnell gefunden hatte.

Sie alle wollen sich für den Erhalt der europäischen Union einsetzen – auch wenn es an der EU viel zu verbessern gebe. Baumann nannte die Machtkonzentration in Brüssel, die Finanzkrise, Fremdenfeindlichkeit, Bedeutungsverlust der „alten Welt“, aber gerade, wenn Europa am Rand einer Krise stehe, komme es darauf an, Flagge zu zeigen. Wir sind viele, nach diesem Motto wollen sie aufstehen und zeigen: „Ich bin für Europa“. Ihr Appell richte sich zuerst an die Mitmenschen: Wählen gehen, und zwar europafreundliche Parteien wählen.

Und konkret an die Parteien richtet der „Pulse of Europe“ seine Forderungen, Baumann nennt wichtige Handlungsfelder: Die EU sei zu abstrakt und zu bürokratisch, hier müssten Reformen ansetzen, der Wirtschafts- und Finanzunion müsse die soziale Union Europas folgen, Europa müsse solidarisch sein und eine Angleichung der Wirtschaftskraft aller Mitgliedsländer erreichen, so dass alle Menschen überall gleiche Rechte haben und gleichen Lohn für gleiche Arbeit erhalten. Das zu erreichen, sei aber die Aufgabe der politischen Parteien – so gesehen ist der „Pulse of Europe“ ein Weckruf der Menschen, eine Aufforderung, Europas Zukunft wieder oben auf die Agenda der Parteiarbeit zu setzen. Sogar im Ortsverein, an der Basis.