Besser ÖPNV als Stau: Mit dem Ein-Euro-Ticket

Endlich: Überall im Land ist von einer „Verkehrswende“ die Rede und der klimaschädliche PKW-Verkehr mit seinem Alltagsproblem Stau wird kritisch diskutiert. Lange schon wird gefordert, dafür den ÖPNV zu verbessern, jetzt liegen in Rheinhessen die Konzepte auf dem Tisch – und klare Ziele. Was heißt das konkret für uns in Klein-Winternheim?

Vorweg: Wer den öffentlichen Personennahverkehr ÖPNV so ausbauen will, dass er konkurrenzfähig gegenüber dem Auto wird, muss drei Dinge beachten: Linien, Takte und Preise. Und hier gibt es Lichtblicke mit dem Nahverkehrsplan der Stadt Mainz und dem Gesamtlinienplan des Kreises Mainz-Bingen – beide neu und, noch wichtiger für uns: Sie sollen eng aufeinander abgestimmt werden.

Bessere Linien heißt für Klein-Winternheim: Statt der ORN-Linie 652 fahren künftig die 650 und die 653 zwischen dem Mainzer und dem Nieder-Olmer Bahnhof über Klein-Winternheim. Und die Stadtbuslinie 66 soll ersetzt werden durch den Bus 55, der im Wechsel mit dem Bus 54 von der Stadt aus über Drais unseren Bahnhof anfährt. Einmal über Ober-Olm (54), einmal über den Lerchenberg und den Quellborn (55). Und zwar, so der Plan, zu den Hauptverkehrszeiten jeweils alle 30 Minuten. Macht: Zu diesen Zeiten ein Bus nach Mainz alle 15 Minuten.

Beim Stadtbus 55 gibt es aus unserer Sicht noch Klärungsbedarf: Wie nah hält er beim ZDF und dem Einkaufzentrum und kann man umsteigen in die Mainzelbahn? Insgesamt gibt es aber deutliche Verbesserungen beim Takt, halten die Busse hier öfter.

Doch was ist mit den Tickets? Einmal vom Pfaffenstein zum Lerchenberg und zurück für 8 Euro? Das bringt Pendelnde nicht dazu, ihr Auto stehen zu lassen. Hier muss sich grundlegend etwas ändern – und darum fordert die SPD im Kreis (und ebenso die SPD in Mainz) die Einführung eines 365-Euro-Tickets.

Für einen Euro mobil, das wird nicht morgen schon möglich sein, aber Steffen Wolf, 1. Beigeordneter im Kreis und dort federführend für das Projekt, will nicht lockerlassen. Strebt neue Regeln bei den Verkehrsverbünden an und sagt, dass man für einen Euro sogar über Landesgrenzen hinweg (nach Hessen nämlich) pendeln können muss. Dabei ist dies nur ein Zwischenziel, eine Etappe für die Verkehrswende: Langfristig hat die SPD auch den kostenlosen ÖPNV als Ziel. Das nenne ich mal: Mutig! Aber ohne mutige Ziele klappt es mit der Verkehrswende nicht.