Barbaro: Zeitenwende im ÖPNV

Neue Chancen, aber auch neue Herausforderungen bringen die nächsten Monate für den öffentlichen Personennahverkehr. Darauf müssen sich Landkreis und Gemeinden einstellen, sagte Landratskandidat Salvatore Barbaro bei einer Veranstaltung der SPD in Klein-Winternheim am 25. April 2017. Ein „Weiter so“ sei nicht möglich. Zu vielfältig sind die Anforderungen nach einer neuen Gesetzeslage, aber auch wegen ständig wachsender Nutzerzahlen bei Bussen und Bahnen.

Worum geht es? Eine EU-Richtlinie und ihre Umsetzung in ein Bundesgesetz führen dazu, dass die Aufträge im Nahverkehr künftig klarer und umfassender definiert werden müssen. Und das muss bis 2019 erarbeitet werden, dann laufen die bisherigen Konzessionen aus. Dann muss aber auch klar sein, welches ÖPNV-Konzept Bürger und Gemeinden wollen.

Vielleicht braucht es sogar eine Kombination aus Konzepten, um den Menschen auf dem flachen Land und denen im Ballungsraum gerecht zu werden, meint Barbaro. „Alle Busse aus dem Umland in die Städte zu führen ist nicht unbedingt zielführend. Bahnen fahren am Stau vorbei, warum also nicht mehr Buslinien zu den Bahnhöfen bringen? Anderswo ist die Kombi Rad/Schiene relevant. Und in weiteren Orten funktionieren Bürgerbusse oder Ruftaxis, als Zubringer zu längeren Strecken oder für kurze Distanzen. Ohne eine bürgernahe Bedarfsanalyse und genaue Ausschreibungskriterien sowie Ideen zur Vernetzung der Verkehrsmittel kommen wir nicht weiter.“ Das neue Nahverkehrskonzept des Kreises weise zwar in die richtige Richtung, weitere Schritte müssten aber zeitnah folgen. Was nicht mehr geht, so Barbaro, seien Zustände wie in Klein-Winternheim: Eigentlich ist der Ort mit Bussen und Bahnen bestens versorgt, dennoch hapert es im Alltag. Busse kommen zu spät oder sind überfüllt, Echtzeit-Infos erhalten Schüler oder Pendler aber nicht, Expressverbindungen sind selten und die Bahn ist nach wie vor unzuverlässig. Wenn dann auch noch versäumt wurde, die neue Linie 66 am Bahnhof mit dem Regionalzug zu vertakten, eine 2 km lange Fahrt über die Stadtgrenze nach Mainz-Lerchenberg aber 4 Euro kostet, dann stimmt was grundsätzlich nicht. 30 000 Euro jährlich zahlt die Ortsgemeinde an die Mainzer Verkehrsgesellschaft, der Gegenwert ist noch zu gering. „So was müssen wir mit dem künftigen Besteller-Prinzip im ÖPNV besser machen. Das wird eine Herausforderung, weil es viele Beteiligte gibt, Kreis, Gemeinden, Verkehrsverbünde – aber das ist die Zukunft wert.“